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EINFACHE PROJEKTION #5: Sylvie Fleury, 3.-17. Dezember 2021

EINFACHE PROJEKTION #6: Michaela Müller, 5.-17. Januar 2022


Linsebühlstrasse 25, St.Gallen, ab Eindunkeln bis Mitternacht

Über

EINFACHE PROJEKTIONEN ist ein neues Format von stadtprojektionen. Anders als in stadtprojektionen, die sich über ein ganzes Quartier erstrecken, rückt EINFACHE PROJEKTIONEN die Vielzahl von Bezügen in den Fokus, die von einem spezifischen Ort ausgehen. Die gezeigten Arbeiten werden in ein Zusammenspiel mit Geschichten und Realitäten rund um das Ladenlokal an der Linsebühlstrasse 25 in St.Gallen gebracht. Über das Jahr 2021 wird EINFACHE PROJEKTIONEN 6-8 mal da auftauchen.

EINFACHE PROJEKTIONEN verzichten auf jegliche Veranstaltung: Sie sind einfach da für nächtliche Passant*innen.


Pressestimmen

Saiten
Lichtspiele durchs Schaufenster
16. Februar 2021
Sandra Cubranovic


Künstler*innen

#5 – Sylvie Fleury

Current Issues, 31 min 56 sec, 1997

3.-17. Dezember 2021

EINFACHE PROJEKTION #5 – Sylvie Fleury, Current Issues, 31 min 56 sec, 1997.

Current Issues, 31 min 56 sec, 1997

3.-17. Dezember 2021

EINFACHE PROJEKTION #5 – Sylvie Fleury, Current Issues, 31 min 56 sec, 1997.

Beim Vorbeigehen an der Linsebühlstrasse 25 scheppert es leise und poppig aus dem Innenraum. Das Video Current Issues von Sylvie Fleury vermengt sich mit der Soundkulisse der vielbefahrenen und begangenen Strasse. Abwechselnd zeigen sich Nahaufnahmen einer Hand, die in Modezeitschriften blättert, und Strassenaufnahmen, die immer und immer wieder denselben Ablauf aufweisen: Ein Sportwagen fährt vor, ein Mann steigt aus, öffnet den Kofferraum, nimmt eine Rolle Papier heraus, stellt sich neben das Auto, rollt das Papier auf, hält es in die Kamera, rollt es danach zusammen und rast mit quietschenden Reifen wieder davon. Es folgt ein Schnitt – und das Blättern in den Magazinen beginnt erneut. Auf den handbeschriebenen Plakaten finden sich Schwarz auf Weiss Ellipsen wie BE AMAZING, DARE TO BE DIORIFIC, CLASSICS ARE BLACK oder A REVOLUTION IN ARTIFICIAL NAILS. Wortfragmente, die so auch in den Modezeitschriften selbst vorgefunden werden können und die zugleich der (Selbst-)Verwirklichung der Frauen dienen.

Fleury nimmt eine feministische Position innerhalb der Kunstszene ein und ist seit den 1990er Jahren nicht mehr aus dieser wegzudenken. Der Künstlerin ist es gelungen, die Konsumwelt und ihren Glamour in die Kunstwelt zu überführen und dabei stets subversiv zu bleiben. 


EINFACHE PROJEKTION #5 – Sylvie Fleury, Current Issues, 31 min 56 sec, 1997.

Das VHS Digitalisat aus dem Jahr 1997 nimmt Bezug auf eine frühere Nutzung des Ladenlokals: 1937 war ein Coiffeursalon ‘DAMEN SALON’ an der Linsebühlstrasse 25 ansässig. Die Szenerien in Curent Issues verweisen demnach nicht nur auf den Aussenraum und die vielbefahrene Strasse, sondern auch auf den Innenraum: Jede:r kennt den Griff zur Modezeitschrift bei einem Besuch beim Coiffeur/Coiffeuse, von denen im Linsebühl einige ansässig sind

#5 – Sylvie Fleury

EINFACHE PROJEKTION #5 – Sylvie Fleury, Current Issues, 31 min 56 sec, 1997.

#5 – Sylvie Fleury

EINFACHE PROJEKTION #5 – Sylvie Fleury, Current Issues, 31 min 56 sec, 1997.

#4 – Lucia Moholy

Serie von 18 Fotografien, 1925-1928
8.-21. November 2021

Einfache Projektion #4: Lucia Moholy, Doppelwohnhaus (Südostansicht), 1926.

Serie von 18 Fotografien, 1925-1928
8.-21. November 2021

Einfache Projektion #4: Lucia Moholy, Anni Albers, 1927.

Einfache Projektion #4 dreht sich um die Architektur der Moderne. Projiziert wird eine Foto-Serie von Lucia Moholy (1894-1989), welche die Anfangsjahre des Bauhaus in Dessau fotografisch eng begleitete: Die Hochschule für Kunst und Handwerk mit dem ikonischen Gebäudeensemble wurde 1925-1926 nach Plänen des Architekten Walter Gropius errichtet. Moholy fotografierte den Rohbau des Atelierhauses und gibt den Blick frei auf das Stahlskelett, noch bevor es mit einer vorgehängten Glasfassade versehen wurde. Teil der Serie sind auch die in einem Kiefernwald gelegenen Meisterhäuser mit den bestechenden Intérieurs, in denen die Lehrer des Bauhaus mit ihren Familien lebten. Zudem fertigte Moholy eindrückliche Porträts von Protagonistinnen an, die diese Schule geprägt hatten, aber oftmals im Schatten der Männer blieben – wie die Malerin Lily Hildebrandt, die Kunsttischlerin Eva Fernbach oder die Textilkünstlerin Anni Albers. Lucia Moholy hat mit ihren Aufnahmen das visuelle Image des Bauhaus bis heute geprägt. Mit der Projektion ihrer Fotos setzen die Kuratorinnen der männerdominierten St.Galler Architektur der Moderne einen selbstbewussten Female Gaze entgegen.


Einfache Projektion #4: Lucia Moholy, Anni Albers, 1927.

In St.Gallen sind bedingt durch die Stickereikrise in den 1920-1930er Jahren sehr wenige Bauten entstanden. Das Ladenlokal, worin die Einfachen Projektionen über das Jahr 2021 in losen Abständen zu sehen sind, befindet sich im Hauptbau des sogenannten Neuen Bauens in St.Gallen: Der Linsebühl-Bau, ein Gebäudekomplex zwischen Linsebühl- und Lämmlisbrunnenstrasse wurde 1930-1933 vom Architekten Moritz Hauser errichtet. Der Bruch mit Jugendstil-St.Gallen hätte grösser nicht sein können: Kubische Formen, eine weiss verputzte Fassade, die den Verlauf der Strasse aufnimmt, ein Flachdach, Dachterrassen sowie über Eck verlaufende Fenster. Die stilistischen Merkmale des Neuen Bauens, der Linsebühl-Bau erfüllte sie alle.

Die 18 Aufnahmen von Lucia Moholy gehören der Sammlung Fotostiftung Schweiz.
© 2021, ProLitteris, Zürich

#4 – Lucia Moholy

Einfache Projektion #4: Lucia Moholy, Doppelwohnhaus (Südostansicht), 1926.

#4 – Lucia Moholy

Einfache Projektion #4: Lucia Moholy, Anni Albers, 1927.

#3 – Jiajia Zhang & Jiri Makovec

Ohne Titel (Loop Linsebühl), 2021, 5min 38sec
1.-13. September 2021

Jiajia Zhang & Jiri Makovec, Untitled (Loop Linsebühl), 2021.

Jiajia Zhang und Jiri Makovec haben mehrere Jahre im Linsebühl gewohnt, im siebten Geschoss eines Wohnhochhauses an der Lämmlisbrunnenstrasse. Ende der 1950er Jahre von den Architekten Otto Glaus, Heribert Stadlin und Willi Schuchter errichtet, zeigt das Linsebühl hier ein grossstädtisches Gesicht. Der Blick aus dem Fenster offenbart einen weitläufigen Strassenraum, der immer wieder Eingang fand in Zhangs und Makovecs Bildwelten. Für Einfache Projektion #3 fügten die Künstler ihr Filmmaterial aus dem Viertel zusammen: Gesammelt im Laufe einiger Jahre und auf einem kürzlichen Nachmittagsspaziergang, beiläufig aufgenommen, um zusammengesetzt und erneut zusammengesetzt zu werden. Eine Rundschleife im Linsebühl lieferte das gesamte Material: banal und dramatisch, filmisch, geheimnisvoll und alltäglich. 

«Blicke durch Fenster in weitere Fenster, durch Spiegel auf Bildschirme. Augen treffen auf Augen, in Räumen und vergangenen Leben. Bild für Bild, ein Wurf, Luft, Schnee. Der Wechsel der Jahreszeiten, der Übergang vom Tag zur Nacht. Freudiges Tanzen und der langsame Verfall des Tages. Aufsteigender Mond, 'Nacht' im Tageslicht. Dargestellt von ehemaligen Bewohner*innen, gespielt von Prinzen, Geistern und zukünftigen Agenten. Die vorgefundene Sprache fiktionalisiert den Ort und bleibt dabei doch lokal. Der Innenraum ist der neue Aussenraum und jeder Ort besteht aus Hybriden. Ersichtlich in der Projektion im September durch das Fenster für die Passant*innen.»
– Jiajia Zhang

Website Jiajia Zhang
Website Jiri Markovec

#3 – Jiajia Zhang & Jiri Makovec

Jiajia Zhang & Jiri Makovec, Untitled (Loop Linsebühl), 2021.

#2 – Manon de Boer

Presto, Perfect Sound, 6 min., 2006
6.-19. April 2021

Manon de Boer, Presto, Perfect Sound, 6 min., 2006.

Einfache Projektion #2 zeigt mit Presto, Perfect Sound (2006, 6 min.) einen Film der niederländischen Videokünstlerin Manon de Boer. Für den Film hat der Violinist George van Dam eine Sonate des ungarischen Komponisten Béla Bartok sechsmal hintereinander gespielt. De Boer hat den Violinisten mit Ton und Film aufgenommen. Danach bat sie ihn, aus den sechs Aufnahmen jene Tonsequenzen zu nehmen, die er für die besten hält und das Stück zu einer perfekten Aufnahme zusammenzusetzen. Anschliessend stimmte de Boer die Bildebene darauf ab: Während die Tonspur nun kontinuierlich verläuft, durchsetzten ebenso harte wie unerwartete Schnitte die Bildebene. Manon de Boer bricht in Presto, Perfect Sound mit der im Film traditionellen Dominanz von Bild über Ton. Gleichzeitig räumt sie mit der Fokussierung auf das Gesicht des Violinisten – eine Einstellung, die sich im Verlauf des Filmes nicht ändert – seinen Emotionen während des Spiels viel Platz ein.

Presto, Perfect Sound nimmt direkt Bezug auf das Ladenlokal an der Linsebühlstrasse 25 und dessen Nutzung: Christopher Lüthi betreibt hier seit über 25 Jahren jeweils dienstags ein Geigenbau-Atelier. Manon de Boers Film kann im Linsebühl auf zwei Arten wahrgenommen werden: Von der gegenüberliegenden Strassenseite aus rein visuell und mit dem Ohr am Schaufenster auch akustisch. Der Film schafft damit eine fast analoge Situation zu den Dienstagen, an denen der Geigenbauer anwesend ist: Seine Kund*innen kommen die Instrumente abholen und lassen sie häufig für ein paar Momente erklingen – durchs Schaufenster jeweils sichtbar, aber nicht immer hörbar.

Presto, Perfect Sound setzt mit seiner ruhigen und subtilen Bildsprache einen Kontrapunkt zur urbanen, umtriebigen und lauten Linsebühlstrasse.

Manon de Boer lebt und arbeitet in Brüssel. In ihren Filmen arbeitet sie mit experimentellen Musiker*innen, Tänzer*innen oder Schauspieler*innen zusammen, thematisiert Wahrnehmungsebenen, ihre Brüche und Verbindungen.

Mit grossem Dank an Manon de Boer (Auguste Orts), Christopher Lüthi und Bastian Lehner sowie an die Stadt und den Kanton St.Gallen.

#2 – Manon de Boer

Manon de Boer, Presto, Perfect Sound, 6 min., 2006.

#1 – Hannes Schüpbach

VERSO (13:08 min, 2008): 13.-20. Februar

CONTOUR (16:19 min, 2011): 21.-27. Februar

CONTOUR (16:19 min, 2011): 21.-27. Februar

Hannes Schüpbach, VERSO, 13 min 08 sec, 2008.

VERSO (13:08 min, 2008): 13.-20. Februar

Hannes Schüpbach, CONTOUR, 16 min 19 sec, 2011.

Den Auftakt macht der Filmemacher Hannes Schüpbach mit gleich zwei Filmen: VERSO (2008) und CONTOUR (2011). Ersterer ist eine filmische Annäherung an seinen Vater. Der Blick ins Ladenlokal an der Linsebühlstrasse 25 zeigt den Vater – wie er liest, Kaffee trinkt oder döst, Landschaft und Dinge betrachtet, wie die Bäume im Wind tanzen und er auf Wanderschaft geht. In CONTOUR werden einzelne Filmaufnahmen aus SPIN (2001) und VERSO neu miteinander verwoben. Wir erhalten flüchtige Einblicke in die Lebenswelten von Mutter und Vater, die immer wieder mit Schwarzbildern unterbrochen werden. Dies geschieht in rascher Folge, die einzelnen Bilder entgleiten einem. In CONTOUR entsteht durch die veränderte Montage eine abstraktere Bildsprache: Farben und Formen werden geschichtet, Konturen verschwimmen.

«[...] Schüpbachs Filme operieren auf einer Ebene, die sich mit dem Traum oder der Trance vergleichen lässt.» – Maya Naef, in: Film als körperhafte Exposition, 2012.


Im Umfeld der Projektion von VERSO resp. CONTOUR schwingen verschiedenste Wohn- und Lebenssituationen mit: Die Einblicke in die Wohnungen des 1930-1933 errichteten Linsebühl-Baus sind – wie auch in den kurzen Einstellungen der Filme – flüchtiger Natur. Durch Covid-19 findet ein Grossteil unseres Lebens im Privaten statt. Die beiden Filme von Schüpbach bringen es zurück in den öffentlichen Raum.

Hannes Schüpbach war bereits in der zweiten Ausgabe von stadtprojektionen vertreten, die 2017 im Quartier Linsebühl stattfand. In einer geschlossenen Blockrandbebauung war SPIN (2001) zu sehen – das Porträt seiner Mutter. VERSO und CONTOUR schliessen nun die Trilogie von Hannes Schüpbach im Linsebühl ab.


Hannes Schüpbach, CONTOUR, 16 min 19 sec, 2011.

#1 – Hannes Schüpbach

Hannes Schüpbach, VERSO, 13 min 08 sec, 2008.

#1 – Hannes Schüpbach

Hannes Schüpbach, CONTOUR, 16 min 19 sec, 2011.

Presse

Saiten, 16. Februar 2021, Lichtspiele durchs Schaufenster

Unterstützung

Herzlichen Dank! EINFACHE PROJEKTIONEN wird grosszügig unterstützt durch: